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Tag der offenen Tür - 25 Jahre Förderstätte

08.10.2018

Äußerlich hat sich das Gebäude am Eggener Berg 2 in den 25 Jahren kaum verändert. Im Innern arbeiten und leben Hauptamtliche und Mitarbeiter montags bis freitags sehr intensiv und vertraut miteinander.

Foto: AW-Archiv

Kempten(mori). „Für die Welt bist du irgendjemand, doch für Irgendjemand bist du die Welt!“ – dieses Zitat des Lyrikers Erich Fried umreißt sehr treffend das Leben und Arbeiten in den Förderstätten der Allgäuer Werkstätten GmbH – und das bereits seit über 30 Jahren. 1990 erfolgte der Umzug in die Werkstatt Steufzgen und das Eröffnen einer 2. Gruppe. Eine Einrichtung seit nunmehr 25 Jahren ist die Förderstätte am Eggener Berg 2 – und das wird dort am 13. Oktober von 11 bis 16 Uhr mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Neben der Förderstätte am Eggener Berg gibt es seit 2011 eine weitere in der Zeppelinstraße in Kempten und seit 2014 eine in Sonthofen.

25 Jahre am Eggener Berg 2 – viele Mitarbeiter mit und ohne Behinderung durchliefen hier ihre Zeit. Dass sie nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgt seit kurzem eine speziell gestaltete Erinnerungswand mit Bildern. Das Leben und Arbeiten in der Förderstätte, in der erwachsene Menschen mit einer schweren oder mehrfachen Behinderung tagsüber betreut werden, orientiert sich an deren ganz individuellen Bedürfnissen und Fördermöglich-keiten. Insgesamt sind das in den drei Einrichtungen 93 Frauen und Männer, 32 davon werden am Eggener Berg begleitet. Cornelia B. und Susi A. gehören hier mit über 60 Jahren zu den ältesten Mitarbeitern. Die jüngste ist gerade 19 Jahre jung geworden.

Vom Personal ist Abteilungsleiter Stefan Schindler mit 23 Jahren am längsten dabei. Fachbereichsleiterin Isolde Hafenmayr kam vier Jahre später dazu. Beide stellen fest: „Im Laufe der Jahre ist die Behinderungsart nochmal schwerer geworden. Früher hatten wir mehr Fußgänger dabei, heute sind es mehr Rollstühle und längst nicht jeder Rollifahrer kann diesen selbst bewegen.“

Anfangs war das Gebäude, das beim Bau bereits mit einem Fahrstuhl ausgerüstet worden war, gemietet, seit 2008 gehört es den Allgäuer Werkstätten. Und seitdem wird auch immer wieder investiert – nach dem neuesten Brandschutz, für eine neue Gartengestaltung, neue Eingangstüren. Gerade erfolgt der Anschluss ans Fernwärmenetz – und zum Jubiläum gibt es einen neuen Snoezelraum für die Mitarbeiter.

Fünf Gruppenleiter und acht Gruppenhelfer unterstützen und fördern die Frauen und Männer mit Handicap. „Im Laufe der Jahre entsteht hier zwischen den Hauptamtlichen und den Mitarbeitern ein sehr enges, vertrautes Verhältnis. Isolde Hafenmayr erinnert sich noch sehr gut daran, als seinerzeit „ihre“ Schützlinge zur Zeppelinstraße und nach Sonthofen abwanderten. Denn zeitweise beherbergte der Eggener Berg ca. 40 Mitarbeiter mit Handicap. „Da sind wir schon an unsere Grenzen gestoßen.“

Wie schaut die Arbeit in der Förderstätte aus? „Während einige tatkräftig in die Polio-Aktion eingebunden sind und die Flaschen „entdeckeln“, helfen andere in der Gardena-Montage, an einer Hebelpressmaschine für die Autoindustrie, in der Aktenvernichtung oder in der Hauswirtschaft. „Wir haben aber keinen Produktionsdruck und wir holen jeden Mitarbeiter dort ab, wo er ist. Und jeder darf bei uns sein wie er ist“, informieren Isolde Hafenmayr und Werkstattleiter Matthias Zimmermann.

Und so geht auch einiges nebenher: Besuche von Hund, Katze, Schildkröten und Papagei sorgen ebenso für Freude, wie wenn Ehemalige mit ihren Kindern in der Förderstätte vorbei kommen. Gemeinsam feiern, einkaufen gehen oder beim Oktoberfest und in der Festwoche „mittendrin“ sein – auch das gehört dazu: „Ich habe es noch nie erlebt, dass wir bei unseren Ausflügen schräg angeschaut worden sind, eher noch bekommen wir lobende Worte für unsere Arbeit“, freut sich Stefan Schindler.

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