Kempten/ Augsburg (mori). Teilhabe und Inklusion sind wesentliche Bestandteile für ein möglichst selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Dazu gab es im März eine bundesweite Tagung. Dort wurden Wünsche zur Verbesserung der Finanzsituation (bundeseinheitliches Entgeltsystem) der Menschen mit Unterstützungsbedarf genannt. Den erstmaligen Besuch der SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Heubach nahm das Geschäftsführer-Duo Michael Hauke und Matthias Zimmermann daher zum Anlass, diese Wünsche auch im Namen von Werkstatträtin Iris Roth nochmal zu untermauern. Denn, so Hauke, nachdem die finanziellen Entlastungen Thema in der Tagung waren, seien natürlich auch Erwartungshaltungen geschürt worden.
Heike Heubach ist in der Bundestagsfraktion unter anderem in der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales tätig – und damit auch mit zuständig für die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Das ist aber immer noch nicht endgültig im Bereich der Werkstätten verabschiedet worden – „und so lange werden die Wünsche noch warten müssen“, signalisierte Heike Heubach „Das ist ein parlamentarischer Prozess.“
Interessiert vernahm die gehörlose Politikerin mit Hilfe eines Gebärdensprachdolmetschers, dass die AW bereits verschiedene Wege der Inklusion und Integration geht – über die Tochterfirmen IGA und inJob sowie 40 Außenarbeitsplätzen. IGA und inJob werden beide von den AW mitverwaltet. „Allein wäre das für diese kleinen Unternehmen nicht leistbar.“
Einig waren sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde: „Inklusion fängt bereits im frühkindlichen Alter an!“ Allerdings seien die KiTa-Einrichtungen und Schulen darauf nicht immer vorbereitet und die finanziellen Einsparungen seien kontraproduktiv. „Bürokratie, fehlendes, geschultes Personal seien weitere Negativ-Punkte“, so Matthias Zimmermann. Und Heubach ergänzte: Vielen ist nicht klar, dass die Inklusion teurer wird, je länger man damit wartet. Denn dann steigen die Kosten für Assistenz, psychologische Betreuung und und und. Was jetzt aber schon erkennbar sei, dass junge Leute
Menschen mit Unterstützungsbedarf gegenüber vielfach verständnisvoller seien.
Mehr Geld für die Menschen mit Unterstützungsbedarf: Dafür müsste laut Michael Hauke das Ausbildungsgeld vom Grundlohn entkoppelt werden. Letzterer sei dann steuerfinanziert zu bezahlen. Bei den Freibetragsgrenzen im Wohnheim hätten die Bewohner aktuell auch nichts von einer „Gehaltserhöhung“, da diese dann gleich wieder vom Kostenträger „eingezogen“ würde. Ein ganz wichtiger Aspekt auch: „Mit der Chance, mehr Geld zu verdienen, das ihnen dann auch bleibt, wäre auch ein Ansporn gegeben, bei der Arbeit mehr Verantwortung übernehmen zu können.“
Bei einer Vermittlung auf den 1. Arbeitsmarkt werden Menschen mit Unterstützungsbedarf von der Agentur für Arbeit getestet. „Das ist aber immer nur eine Momentaufnahme“, so Klaus Bernegger (Schulleiter der Berufsschule St. Georg). Hier wäre eine bessere Kooperation wünschenswert. In die Allgäuer Werkstätten kommen neben den Schulabgängern der Tom-Mutter-Schule und der Astrid-Lindgren-Schule auch immer mehr „Quereinsteiger“ nach Unfällen, Schlaganfällen etc. Ganz anders bei Migranten mit Unterstützungsbedarf. Hier wird wohl gerade mit der TMS ein Konzept – Sprache – Beruf – Lebensgestaltung - erarbeitet.
Noch nicht ausgearbeitet ist bundesweit wohl der Alters-bereich bei Menschen mit Unterstützungsbedarf, die nicht in einem Wohnheim untergebracht sind. Heubach: „Hier fehlt komplett ein Konzept zwischen Berufsende und Pflege.“ Zimmermann und Hauke stimmten der Bundespolitikerin hier zu, haben sie doch in der Einrichtung selbst schon mehrfach mit solchen Fällen zu tun gehabt. „Hier besteht eine große Verantwortung, da im Alter Obdachlosigkeit oder Verwahrlosung drohen – aber auch dieser Bereich muss bezahlt werden!“
Nach dem sehr intensiven Austausch versprachen sich die SPD-Bundestagspolitikerin und die AW-Geschäftsleitung, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. „Der Austausch ist enorm wichtig!“