Kempten/Rumnänien (mori). Große Veränderungen erlebte jetzt die Delegation der Allgäuer Werkstätten zusammen mit Uwe Fabritius, Regierungsrat des Bayerischen Staatsministeriums, Bayerische Rumänienhilfe: „In Pastraveni und Dragomiresti hat es einige gravierende Umstrukturierungen gegeben“, informierte Geschäftsführer Michael Hauke. Bisher hatte die heimische Werkstatt für Menschen mit Unterstützungsbedarf schwerpunktmäßig die Schreinerei und Werkstattarbeiten in Pastraveni unterstützt. Jetzt hat die Regierung dort mit der Umsetzung der UN-Konvention eine Art Dezentralisierung vorgenommen. Das bedeutet, die „fitteren“ Menschen mit Unterstützungsbedarf wurden gegen ein Entgelt in Familien geschickt, um dort in Betrieben als helfende Hände mitzuarbeiten. „Das bedeutet, hier sind nur noch die Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf anzutreffen – vergleichbar mit unserer Förderstätte.“
Gemeinsam mit AW-Geschäftsführer Matthias Zimmermann, Werkstattleiter Klaus Ritter, Betriebsleiter Thomas Hopp und Uwe Fabritius besuchte Hauke für zwei Tage die befreundeten rumänischen Einrichtungen.
In Pastraveni sind daher statt bisher 300 Betreute nur mehr 240 anzutreffen. Ein Teil der 60 Personen wurde in das etwa 20 Kilometer entfernte Dragomiresti versetzt. Hier wurden 2023 sieben Wohnhäuser und eine Werkstatt errichtet. Von der Werkstatt steht allerdings nur der Hochbau. Der Innenausbau soll erst 2028 folgen. „Gearbeitet wird hier in den Gemeinschaftsräumen der Häuser. Sie werden als „Ateliers“ tituliert“, berichtete Michael Hauke. In Pastraveni stattdessen wurde das Wohnhaus der Werkstattbeschäftigten in ein sogenanntes Emergency-Center umgewandelt, das Obdachlosen und älteren hilfebedürftigen Leuten eine Anlaufstelle bietet. Der Schwachpunkt dabei ist, dass die hauptamtlichen Mitarbeiter dort keinerlei Infos zur Biographie der neuen Ankömmlinge haben.
Für die Allgäuer Werkstätten bedeutet diese Veränderung, dass sich auch das Engagement für die Partnerschaft ändern wird. Zurück in Kempten organisierte Klaus Ritter gleich etliche Rollstühle für Pastraveni. Thomas Hopp will zudem einige Rollatoren organisieren. Für die Wäscherei in Pastraveni wird die Allgäuer Werkstatt noch einen zweiten Federbodenwagen mit verschicken. Außerdem orderte die AW 1000 Lavendel-Säckchen, die dort produziert werden.
Die aktuelle Veränderung – gerade auch mit der hohen finanziellen Förderung für Privatleute / Betriebe – ist zunächst für zwei Jahre vorgesehen. Sie ist seit Mitte 2026 in Kraft. „Was 2028 dann weiter wird, bleibt abzuwarten. Es kann also sein, dass sich unser Engagement künftig grundlegend ändern wird“, so Hauke. Für Nicole Birnat, Direktorin des Zentrum Pastraveni, und Anka Machedon, Direktorin in Dragomiresti, war der Besuch aus Kempten wichtig. „Wir haben die Bestätigung bekommen, dass wir hier trotz des Umbruchs gute personenzentrierte Arbeit leisten. Diese Außenansicht hat unsere Zweifel genommen“, resümierten die beiden Frauen.